Neujahrsempfang der Bayreuther-SPD – Die Herausforderungen des Ehrenamts

"Alle Jahre wieder", so könnte man auch die jede Geschichte des Neujahrsempfangs der Bayreuth-SPD anfangen. Und wie "der Weihnachtsmann" alle Jahre wieder Geschenke verteilt, so bedankt sich die SPD jedes Jahr aufs neue auf ihrem Empfang bei den Ehrenamtlichen der Stadt Bayreuth. Dieses Jahr hat dafür unser Fraktionsvorsitzender im Bayerischen Landtag Horst Arnold, MdL, extra Zeit genommen, um nach Bayreuth zu fahren und die Festrede zu halten. Nun will ich Euch nicht jedes Detail der Rede erläutern, dazu könnt ihr gerne einfach den Artikel im Nordbayerischen Kurier lesen. Ich mag es aber vielleicht auf eine einfache und doch so wahre Formel herunterbrechen: Trotz aller Weh-Wehchen und notwendiger Kompromissbereitschaft (keine Angst, ich lehne zumindest die jetztige GroKo ab) ist die SPD immernoch die einzige Partei, der der soziale Zusammenhang der Gesellschaft am Herzen liegt.

 

Das Hauptthema des Abends aber war die Arbeit der Ehrenamtlichen. Zunächst einmal ein paar Hardfacts: In Bayern sind es mit 5,2 Millionen Personen immerhin fast 47 % der Bevölkerung, die sich ehrenamtlich engagieren oder in Vereinen aktiv sind. Das klingt zunächst nach einer hohen Zahl und dass doch alles super ist. Unterhält man sich aber mit den Ehrenamtlichen, so sieht die Welt gleich anders aus. Sehr viele vor allem traditionelle oder stark lokal verwurzelte Vereine sind zu überaltert und finden kaum neue Mitglieder. Ich vermute stark und merke dies ja auch selbst, dass das Überangebot an Freizeitaktivität viele in Möglichkeiten ertränkt. Wieso noch an einen Verein binden, sich in Strukturen einfinden und neues Lernen, wenn ich jeden Tag auf eine andere Veranstaltung, eine andere Feier, einen anderen Vortrag, eine andere Party gehen oder einfach nur zu Hause mit Freunden bei Netflix und Konsorten chillen kann? Ich will das gar nicht schlecht reden, denn wir müssen uns freuen, dass es uns so gut geht und wir so viel unserer Zeit mit schönen Dingen verbringen können. Aber es sorgt eben auch dafür, dass dieser stark ausgeprägte Individualismus nicht mehr mit der traditionellen Vereinkurs zusammen geht. Was wir z.B. auch gemerken, ist dass sich vor allem junge Menschen viel lieber an einzelnen Projekten denn einer lebenslangen Vereinsmitgliedschaft beteiligen wollen.

 

Ich kann und ich will diesen Trend nicht aufhalten. Es ist eine krude Vorstellung, man könne den Zeitgeist einfach aufhalten und die Zeit zurückdrehen. Wer so denkt, sieht in Veränderung nur Angst und nicht Möglichkeiten, sieht darin Niederlagen keine Herausforderungen. Für viele unserer Vereine wird das aber heißen, dass sie ihr Angebot ändern müssen. Mehr "Mitmachkultur", mehr "Projektarbeit" und mehr Verständnis für eine Generation, die zu viele Angebote und zu wenig Zeit hat. Ich bin fest überzeugt, dass das viele gut meistern werden.

 

Aber... ja, jetzt kommt das aber... dazu brauchen die meisten Vereine Zeit und Ressourcen. Und es ist Aufgabe der Politik, diese guten Rahmenbedingungen zu schaffen. Wieso gibt es keine Schnittstelle in dieser Stadt, an die sich Personen wenden können, die sich engagieren möchten? Wieso gibt es nicht große Ehrenamtstage, in denen sich Vereine und Organisationen vorstellen können? Wieso gibt es keine Hilfsanleitungen, wie Satzungen aussehen können, wie man eine saubere Datenschutzerklärung schreibt und worauf man beim Kassenbericht achten muss? Wieso müssen unsere Ehrenamtlichen so viel Zeit in Verwaltung und Formalia investieren, wenn man das vereinheitlichen und vereinfachen könnte? Und das sagt ein Jurist, will ich betonen! Das ist wohl die größte Erkenntnis dieses wieder wundervollen Abends: Unsere Vereine sind klasse, machen Spaß und leben mit Herz und Seele für ihre Aufgaben. Aber wir müssen ihnen mehr Raum und Hilfe geben, dass sie ihre Kraft und Energie in die Vereinsarbeit stecken können! Danke für diese wichtige Erkenntnis.

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