Rettet die Bienen – Warum es sinnvoll ist, sich dafür einzusetzen

Gleich vorneweg: Ihr bekommt jetzt einmal einen Biene-Maja-Witz und dann lassen wir die Fixierung auf Bienen weg, okay? Was ist weis und fliegt durch die Luft? Natürlich die Biene Majo. So, schlechter wird’s jetzt nicht mehr.

 

Was ist der Hintergrund dieses zugegeben gewöhnungsbedürftigen Anfangs? In meiner Wahrnehmung hat sich die öffentliche Wahrnehmung durch das gemeinhin unter dem Namen „Rettet die Bienen“ genannten Volksbegehren zu sehr auf die Biene im Speziellen und zu wenig auf Insekten als Nutztiere im Allgemeinen hin verschoben. Die Biene als Aufhänger zu nehmen war hierbei sicherlich eine gelungene Marketingstrategie, die ich ausdrücklich lobe, aber unsere Bienen und ihr Honig sind nur ein kleiner Teil des großen Ganzen – und dieses große Ganze ist in Gefahr.

 

Hintergrund des Volksbegehrens war es, dass Artensterben im Bereich der Insekten im weitesten Sinne zu begrenzen. Dabei muss man jedoch beachten, dass die Zahlen keineswegs so eindeutig wie oft behauptet. Weltweit betrachtet gibt es keine klare Tendenz, dass etwa die Bienen weniger werden würden. Während die Anzahl der Bienenstöcke etwa in den USA und Deutschland wohl gesunken ist, stieg sie in Indien und China an. Freilich werden hier nur die kultivierten Bienen erfasst, die große Mehrzahl der zumeist nicht in Bienenstöcken lebenden Wildbienen bietet hier ein anders Bild. Genau deshalb ist es auch so wichtig, dass Volksbegehren auch wirklich als ein solches über die Artenvielfalt zu begreifen. Mittlerweile gibt es mehrere nationale und internationale Studien, die belegen, dass die sowohl die Artenvielfalt als auch die Anzahl der einzelnen Insekten vor allem in Industriestaaten zurück geht. Dies zieht einen Rattenschwanz an Folgen mit sich. Anderen Tierarten fehlt es dadurch an Nahrung und die Bestäubung, welche in wesentlichen Teilen gerade nicht durch Bienen, sondern durch allerhand von Insekten vorgenommen wird, von Nutzpflanzen nimmt immer mehr ab.

 

Das Volksbegehren wollte hierzu insbesondere den Einsatz von Pestiziden verringern, mehr unbearbeitete und zusammenhängende Blühwiesenflächen ermöglichen und den ökologischen Anbau zu erhöhen. Der genaue Antragstext mit den Rechtsänderungen gibt genaueren Aufschluss über die Maßnahmen, ich möchten diese hier aber nicht im Detail auseinandernehmen. Wenn man dies jedoch tun würde, fielen einem natürlich diverse methodische Unstimmigkeiten und Probleme auf. Ob das für mich als Jurist ein Problem darstellt? Erstmal nicht. Denn Konsequenz der Annahme des Volksbegehrens ist ja noch, dass die Landesregierung und die dort sitzenden schlauen Juristinnen und Juristen das ganze noch juristisch sauber ziehen können.

 

Man kann sich ja über einzelne Maßnahmen streiten, man kann auch die Methodik der zugrundeliegenden Messungen anzweifeln oder die Zuspitzung des ganzen auf die Biene. Aber dann geht man letztlich nur ignorant mit dem Kernproblem um: Wir verbrauchen in zu großem Maße die natürlichen Ressourcen unseres Planeten. Und wir greifen in irreparabler Weise in die Flora und Fauna unseres Kontinents ein und bringen damit ein über viele Jahrtausende entwickeltes System zum Wanken. Damit will ich nicht sagen, dass wir alle zurück in Steinzeithöhlen sollen, uns mittels Gewaltmärschen zwischen Städten bewegen und unsere elektronischen Geräte in die Tonne werfen sollen. Ich mag zwar dem Naturschutz viel abgewinnen können, aber ich habe kein Interesse daran, die technische Entwicklung zurückzudrehen. Darum braucht es endlich einer vernünftigen Abwägung. Heißt hier konkret: Landwirtschaft ist nicht automatisch böse und Naturschützer immer linke Spinner.

 

Denn eines muss uns glasklar sein: „Die Natur“ interessiert das Artensterben oder die Erderwärmung nicht die Bohne. Viele Arten werden sich verändern müssen oder aussterben, dafür werden neue Arten entstehen, die sich in dem, was wir von der Erde übriglassen, zurechtfinden. Wem etwas an den bestehenden Arten liegt, bekommt bei dem Gedanken Brechreiz, wem das egal ist, der schaut sich Eisbären eben nur noch in Dokus an. Die entscheidende Frage aber ist: Können WIR als Menschen noch in einer sich so drastisch verändernden Umwelt überleben? Zumindest dieser Gedanke sollte uns umtreiben und uns dazu animieren, aus rein egoistischen Gründen unserer Umwelt mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Damit auch noch unsere Enkelkinder Biene Maja nicht nur im Fernsehen schauen können.

 

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