Politischer Aschermittwoch mal anders – Was ich über die Kulturszene Bayreuths gelernt habe

Ich muss ja selbst zugeben, dass ich es als Jugendlicher genossen habe, wie sich am politischen Aschermittwoch die Politikgranden gegenseitig ihre Unzulänglichkeiten um die Ohren geworfen haben. Wenn man sich das jedoch mal 10 Jahre angesehen hat, wird es dann doch irgendwann langweilig und wiederholt sich letztlich. Darum war ich auch sehr froh, dass sich die SPD-Bayreuth-Stadt dieses Jahr dafür entschieden hat, das Schlagen auf die Oberbürgermeisterin und Konsorten um ein paar Monate in den Wahlkampf zu verschieben und stattdessen etwas sinnvolles zu probieren.

 

Unter dem Motto „Kultur und Hering“ wurden drei unserer Kulturgrößen eingeladen, uns über die Missstände und Freuden Bayreuther Kultur aufzuklären. Den bohrenden Fragen des Moderators Sebastian Norck stellten sich Dr. Katharina Fink, Kulturwissenschaftlerin und Veranstalterin (Büro Himmelgrün, BayFinK, Bayreuth blättert), Dr. h. c. Sissy Thammer, Intendantin und Geschäftsführerin (Festival junger Künstler Bayreuth) und Dr. Fergus Wünschmann, Kunst- und Kultursoziologe (Sübkültür). Für den SPD-Unterbezirk Bayreuth habe ich dazu versucht, die wichtigsten Kernthesen zusammenzufassen. Ich kopiere Euch dies hier rein. Im Anschluss will ich Euch noch meinen persönlichen Eindruck geben.

 

Ich muss ja selbst zugeben, dass ich es als Jugendlicher genossen habe, wie sich am politischen Aschermittwoch die Politikgranden gegenseitig ihre Unzulänglichkeiten um die Ohren geworfen haben. Wenn man sich das jedoch mal 10 Jahre angesehen hat, wird es dann doch irgendwann langweilig und wiederholt sich letztlich. Darum war ich auch sehr froh, dass sich die SPD-Bayreuth-Stadt dieses Jahr dafür entschieden hat, das Schlagen auf die Oberbürgermeisterin und Konsorten um ein paar Monate in den Wahlkampf zu verschieben und stattdessen etwas sinnvolles zu probieren.

 

Unter dem Motto „Kultur und Hering“ wurden drei unserer Kulturgrößen eingeladen, uns über die Missstände und Freuden Bayreuther Kultur aufzuklären. Den bohrenden Fragen des Moderators Sebastian Norck stellten sich Dr. Katharina Fink, Kulturwissenschaftlerin und Veranstalterin (Büro Himmelgrün, BayFinK, Bayreuth blättert), Dr. h. c. Sissy Thammer, Intendantin und Geschäftsführerin (Festival junger Künstler Bayreuth) und Dr. Fergus Wünschmann, Kunst- und Kultursoziologe (Sübkültür). Für den SPD-Unterbezirk Bayreuth habe ich dazu versucht, die wichtigsten Kernthesen zusammenzufassen. Ich kopiere Euch dies hier rein. Im Anschluss will ich Euch noch meinen persönlichen Eindruck geben.

„Auf die Defizite der Bayreuther Kulturszene angesprochen erklärte Fergus Wünschmann, dass er insbesondere zeitgenössische Kunst vermisse. Katharina Fink dagegen würde sich vor allem mehr Lyrik und Theater wünschen sowie ein lebendiges Stadtmuseum. Sissy Thammer insistiert, es fehle vor allem der Mut zu mehr Kreativität und dem Wunsch nach Neuem. Fergus Wünschmann erklärte, dass für viele Kulturangebote schlicht das Publikum nicht vorhanden wäre: „Bayreuth ist eine Museumsstadt, keine Kulturstadt“. Sissy Thammer sah dies naturgemäß anders und attestierte Bayreuth den Rang einer Welthauptstadt der Musik und der Poesie unter der Dominanz Wagners.

 

So führte sie aus, es sei zwar richtig, dass Wagner das Markenzeichen Bayreuths sei, aber längst hätte sich darum ein kompliziertes Geflecht an anderen Kulturformaten gelegt. Darauf erklärt Fergus Wünschmann, dass etwa die Subkültür der Versuch sei, einen Raum der Freiheit und der Freiräume des Experimentierens zu geben. Bayreuth blättert unternahm den Versuch, Literatur neu zu erleben: Wie fühlt sich Literatur an, wie kann sie haptisch werden, wenn man sie in leichter Sprache oder in Gebärdensprache präsentiert, ergänzte Katharina Fink. Sissy Thammer nannte ihrerseits das Festival junger Künstler, welches gerade nicht im Schatten Wagner stattfinde, sondern schon seit 1950 ein modernes, weltoffenes und internationales kulturelles Gegenstück zur nationalsozialistisch belasteten Vergangenheit Bayreuths ist. Sie glaubt, „es braucht junge Menschen, die den Mut haben und stark genug sind, diejenigen Probleme zu lösen, die wir noch gar nicht kennen“.

 

So stand die Frage im Raum, wie die Stadt Bayreuth dieser verzweigten Kulturszene helfen kann. Katharina Fink wünscht sich ein Forum, in welchem sich Kulturschaffende und Kulturinteressierte ungezwungen treffen und austauschen können. Fergus Wünschmann fügte hinzu, dass man nicht so tun solle, als wäre Kultur kostenlos. „Kultur kostet Geld und darf nicht vollständig ökonomisiert werden“. Das Angebot sei schon zu groß für das Bayreuther Publikum. Die Stadt täte daher gut daran, zu priorisieren und sich auf bestimmte Kulturziele zu fixieren. Außerdem brauche man mehr Professionalisierung: „Darf denn ernsthaft Kultur durch das Bauamt gemacht werden?“. Katharina Fink stimmt ihm zu und erklärt, dass Kultur in dieser Größenordnung nicht durch Ehrenamtliche gestemmt werden könne. Die Ehrenamtlichen dürften nicht überfordert werden, das schade allen mehr als es nütze.

 

Dem neuen Kulturreferenten wünschen alle drei, dass er in der Stadt willkommen geheißen werde. Nach Fergus Wünschmann solle man in ihm nur bitte nicht den Heilsbringer sehen, sondern ihm ruhig viel Zeit geben, sich einzuarbeiten und die Kulturszene Bayreuths zu verstehen. Sissy Thammer hofft inständig, dass die Stadtvertreter ihrem neuen Referenten vertrauen werden: „Hört auf den Rat der Vollprofis!“.

 

Bei all den vielen Beiträgen fällt es schwer, eine Kernthese herauszuarbeiten, die mich besonders bewegt hat. Zwei Sachen aber scheinen einfach umzusetzen, aber mit großer Wirkung verhaftet zu sein. Bayreuths Kulturszene ist vielfältig, bunt und lebt von lauter kleinen Inseln unterschiedlicher Schaffenskraft. Es wäre so einfach, einmal im Quartal alle Kunstschaffenden zu versammeln und ihnen ein Forum für Austausch und Willensbildung zu bieten. Vielleicht ließen sich die Termine dieses „Beirates“ so einrichten, dass sie in ausreichendem Abstand zum Kulturausschuss stattfinden und der neue Kulturreferent hier als Schnittstelle zwischen den Stadtoberen und den Kulturschaffenden wirkt. Auch scheint es mir sinnvoll, endlich einen (geordneten) Kulturkalender einzurichten, der nicht nur Wagner und Co., sondern auch den vielen alternativen Künstlerinnen und Künstlern einen Platz gibt.

 

Das aber ist vor allem Symptombekämpfung, denn es ist ein Blick ins Jetzt und keine Zukunftsvision für Bayreuth. Dass wir weiter an Wagner und der damit verbundenen Hochkultur und Bekanntheit festhalten sollten, ist vollkommen klar. Doch wir brauchen auch endlich einen Raum, in dem sich freie, moderne und ausprobierende Kultur und Kunst entfalten kann: Wir müssen dem Wilden der Schokofabrik, dem Kreative der Sübkültür und dem Neuen des Iwalewahauses einen physischen Raum zum Entfalten und Ausprobieren geben. Und gleichzeitig müssen wir uns wieder daran erinnern, dass es neben Wagner eben noch die Liszts, Jean Pauls, Nietzsches und Leuschners dieser Stadt gibt, die ihre eigene Kultur mitbringen. Sie greifbar und erlebbar zu machen, muss der dritte Eckpfeiler Bayreuther Kulturpolitik sein. Bayreuth ist bunt, Bayreuth ist Afro-Karibik-Festival, Rock-Festival und Faschingsumzug ebenso wie Bürgerfest und Sankt Georgen Swingt. Und das ist gut. Es muss unserere Aufgabe werden, alle dem einen Rahmen zu geben, sodass sich Kunst und Kultur entfalten kann.

 

Ich danke mit großer Freude dieser umwerfenden Diskussion, die mir Bayreuth von einer ganz anderen Seite gezeigt hat.

 

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