Digitalisierung hautnah erleben - Der DLD an der Uni Bayreuth

Gibt man in Wikipedia (Ja, wir schauen mal gleich in einem digitalen Lexika nach, nicht dem Duden in Papierform) "Digitalisierung" ein, erhält man folgende Definition: "Der Begriff Digitalisierung bezeichnet ursprünglich das Umwandeln von analogen Werten in digitale Formate." Die Grundidee von Digitalisierung war letztlich nichts anders, als aus einem Stück Informationen auf Papier ein Stück Informationen auf einem Datenträger zu machen. Informationen in Form von Daten lassen sich schlicht deutlich vielseitiger nutzen als ihr Papier-Pendant. Dieser DLD (steht für: Digital-Life-Design) hat uns mal wieder vor Augen geführt, dass wir längst viele Schritte weiter sind, als analoge Informationen zu digitalen Informationen zu zaubern!

 

Wir produzieren Tag für Tag, Stunde um Stunde eine unheimlich große Anzahl an Daten und speisen enorm viele Informationen in unsere Umwelt ein, in unserem Arbeitsalltag oder in unserer Freizeit. Hierin liegt ein riesiger Schatz, den es zu bergen gilt! Wir können aus diesen Daten unsere Arbeitswelt verbessern, wir können Produkte kundenfreundlicher gestalten, wir können unsere Mobilität intelligent gestalten, wir können diese Daten zu einem syntethischen Hirn zusammenfügen, wir können gezielter Krankenheiten behandeln und wir können Algorithmen entwickeln, die uns z.B. analysieren, ob jemand lügt. Uns muss schlicht klar sein, dass es mittlerweile Daten zu nahezu allen Lebensbereichen gibt, abseits von Social Media und dem Internet.

 

Der DLD Campus Bayreuth hat dieses Thema auf sehr plastische Art und Weise versucht aufzuarbeiten: Wir bekommen Eindrücke in syntethisches Essen von morgen, Elektrotransporter für den ländlichen Raum, Programme, die Züge pünktlicher machen sollen, einen Roboterarm mit dem Tastsinn eines Menschen oder eine humanoide, sehr höfliche KI, die die DLD-Besucherinnen und -Besucher begrüßte. "The sky is the limit" heißt es im Englischen - auf dem DLD wird diese Einstellung bestätigt. So endet auch der Publizist und Literaturprofessor Gumbrecht aus Stanfort: "Ich lebe lieber in einer Risikokultur als in einer Fehlerkultur." Mut zum Ausprobieren, Mut zum Scheitern, Mut zum Wiederanfangen, Mut zum Forschen. Vermutlich würden sich alle Vortragenden des DLD dieser These anschließen.

Was aber bedeutet das alles für uns? Ist hemmungsloser Optimismus erlaubt oder eher Vorsicht geboten? Vermutlich eine Mischung aus beidem. Uns muss ganz klar sein, dass sich "Fortschritt" nicht aufhalten lässt und auch nicht aufgehalten werden sollte! Unsere Entwicklerinnen und Enwickler, Forscherinnen und Forscher sind so zahlreich und denken in Dimensionen, die man als einzelner gar nicht fassen kann. Es sind diese kreativen Köpfe, die sich ausprobieren und neue Ideen für unser Leben entwickeln. Das reicht von kleinen und simplen Gadgets, wie der Kontrolle der Leuchten eines Hauses über das Handy, während man bequem auf dem Sofa sitzt oder gerade nach Hause fährt, bis hin zu disruptiven Technologien, die unsere Gesellschaft verändern. Schaut Euch "Sophia" an, den humanioden Roboter: Noch ist es eine komische Vorstellung, dass Künstliche Intelligenz mit einem plastischen Körper ausgestattet durch unsere Gesellschaft läuft und ich mit meine Brötchen bei Tante Erna abhole, deren 450 €-Kraft ein Roboter ist. Aber das ist alles längst keine Science-Fiction mehr! Die Europäische Kommission berief ein Expertengremium ein, dass sich zivilrechtliche Regelungen im Bereich der Robotik überlegen sollte (für Interessierte hier nachzulesen), in welchen diese Gruppe letztlich die Empfehlung aussprach, perspektivisch zu einem Rechtssystem für Künstliche Intelligenz auszuweichen. Das soll uns zeigen, wie nah wir längst an dieser Zukunft sind.

 

Doch ist das nun ein Freibrief für alle Entwicklungen? Natürlich nicht. Es muss Grenzen geben. Und wir sollten es nicht verschlafen, diese Grenzen zu suchen und zu ziehen. Doch dafür müssen wir einerseits erahnen können, in welche Richtung es überhaupt gehen kann und andererseits uns auf ein Wertesystem einigen können, an dem wir festhalten wollen. Jerade bei letzterem sehe ich rießige Probleme. Schon heute sehen wir einen gewaltigen Unterschied in der Akzeptanz neuer Technologien: Es gibt Gruppen, die mit allen Bereichen der Digitalisierung nichts anfangen können und sich weigern, die Fähigkeiten zu erlernen, die für einen ordentlichen Umgang notwendig sind. Wir haben eine große Gruppe an Konsumenten, die zwar nicht mit digitalen Angeboten aufgewachsen ist, jedoch bereitwillig die Basics lernt, um davon zu profitieren. Und wir haben die Gruppe der Digital-Natives, die mit dem Handy in der Hand aufgewachsen sind und bereitwillig jede Neuerung fordern und fördern. Jede Gruppe hat ihre eigene größere oder kleinere Akzeptanz gegenüber Neuerungen und Forschung. Es wird interessant werden, welche Gruppe über die Zeit den Ton angibt.

 

Dass das übrigens kaum etwas mit Alter, sondern mit Kompetenz zu tun hat, haben mir persönlich die ersten beiden Rednerinnen gezeigt: Wenn eine Oberbürgermeisterin tatsächlich die Digitalisierung anpreist und die Stadt Bayreuth als modern bezeichnet, weil sie ein digitales Bürgerportal hat, in welchem man nun - hört hört ! - online Termine für einen Verwaltungsgang buchen kann, dann zeigt das wie kaum etwas anderes Unverständnis gegenüber diesem Thema. Doch auch die c.a. 30 Jahre jüngere bayerische Digitalministerin (Man erinnere sich an ihre Antrittsworte "Digitalisierung ist jetzt sicher nicht mein Spezialbereich, aber ein absolutes Zukunftsthema!") vermag kaum etwas mehr von sich zu geben, als die grobe Vorstellung Bayern zum Digitalstandort zu machen und dererlei Floskeln. Erkenntnis: Wir brauchen dringend endlich die Vermittlung von Digitalkompetenz in unserem Lehrplan! Und wir sollten auf diejenigen hören, die Ahnung von Digitalisierung haben oder zumindest bereit sind, sich auf diese einzulassen.

 

Ich danke wieder für diesen tollen Tag und die vielen angenehmen Impressionen. Tiefgreifend Neues war jetzt vielleicht nicht für mich dabei, aber unglaubliche viele Denkanstöße, in welche Richtung man noch verbessern, forschen und mahnen kann. Bis zum nächsten DLD!

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